Atlantische Bergschrecke in Ramosch/ Unterengadin

#1
Hallo zusammen,

es ist für mich immer wieder spannend, vom Heimatort am Bodensee aus binnen gut zwei Stunden in Gebiete in den Alpen zu gelangen, die eine eindrucksvolle Heuschrecken-Fauna aufweisen mit zahlreichen Arten, die es daheim nicht oder nur sehr selten gibt. Eine dieser Top-Regionen ist natürlich das Unterengadin. Am 22. August 2018 konnte ich nach vier Jahren mal wieder nach Ramosch kommen, konkret an den südexponierten Steilhang mit xerothermer Vegetation nördlich der Burg auf einer Meereshöhe von ca. 1.270 Metern.

Neben den erwarteten tollen Arten Arcyptera fusca, Stauroderus scalaris und Stenobothrus rubicundulus konnte ich zu meiner großen Freude und Überraschung im Gras auf dem Boden zuerst ein Männchen der Atlantischen Bergschrecke Anataxius pedestris entdecken, wenig später etwa 40 cm entfernt ein Weibchen, das perfekt getarnt war. Vermutlich spielte das etwas kühlere Wetter mit leicht bedecktem Himmel eine Rolle, dass die eher nachtaktive Art mittags gegen 12.30 Uhr zu sehen war. Nach etwa 45 Minuten, in denen praktisch nichts passierte, kletterten sowohl das Männchen als auch das Weibchen langsam in den angrenzenden Berberitzen-Strauch - vielleicht, weil die Sonne jetzt stark schien. Insgesamt konnte ich beide Tiere etwa 75 Minuten lang beobachten. Die Fotos zeigen den Lebensraum und die beiden Tiere in Ramosch.

Gibt es aktuelle Funde der Art aus dem Unterengadin? Im angrenzenden Tirol sind ja wohl aktuell nur drei Fundorte bestätigt (Die Heuschrecken Österreichs, 2017). Die Suche nach der Bergschrecke an den Fließer Sonnenhängen in Tirol am Vorabend musste wegen Gewitter leider ausfallen.

PS: Als "Schmakerl" vom Vortag aus Österreich, Arlberg/ Vorarlberg, gibt's noch ein Foto einer Paarung von Anonconotus alpinus.

Herzliche Grüße
Gerhard
JC1A6796bkl, Lebensraum Anataxius pedestris, Ramosch, Gerhard Kersting.jpg
JC1A6763akl, Anataxius pedestris, Paar, Ramosch, Gerhard Kersting.jpg
JC1A6869abkl, Anataxius pedestris, Ramosch, Gerhard Kersting.jpg
JC1A6843kl, Anataxius pedestris, Ramosch, Kersting .jpg
JC1A5659akl Anonconotus alpinus, Arlberg, Gerhard Kersting, .jpg

Re: Atlantische Bergschrecke in Ramosch/ Unterengadin

#2
Hallo Gerhard

Willkommen im Heuschrecken-Forum und vielen Dank für den spannenden Bericht!

Es ist tatsächlich so, dass Antaxius pedestris aus dem Unterengadin äusserst selten nachgewiesen wurde. In der Umgebung von Ramosch stammen die letzten Beobachtungen scheinbar aus den Jahren 1963 und 1986. Wir haben die Art 2008 bei Sent wieder gefunden. Daher ist deine Beobachtung sehr wertvoll. Meldest du diese bereits irgendwo? Falls nicht, wäre es toll, wenn du diese bei Observation.org eintragen könntest. Für den Heuschreckenatlas Deutschland wird diese Plattform übrigens rege genutzt.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Antaxius pedestris nur so selten beobachtet wird, da das Unterengadin von Heuschreckenfreunden oft aufgesucht wird - es gibt schliesslich neben Stenobotrus rubicundulus auch noch ein paar weitere schöne "Schmankerl" zu finden (Chortippus pullus und Tetrix tuerki).

Herzliche Grüsse
Florin
Orthoptera-App! Die Heuschrecken-Bestimmungs-App für iOS und Android.
Sicher bestimmte Tiere bitte bei Observation.org melden - danke!

Re: Atlantische Bergschrecke in Ramosch/ Unterengadin

#3
Hallo Florin,

besten Dank für deine rasche Antwort und die Infos zum Status der Art im Unterengadin. Werde mal die interessanteren Heuschrecken-Beobachtungen der letzten Jahre bei Observation.org eintragen, so auch die vorliegende. Chortippus pullus fand ich an der bekannten Stelle am Inn flussaufwärts Martina bei einem Besuch am 30.08.2014 (ca. 10 Tiere). Tetrix tuerki hingegen suchte ich (kurz) vergeblich.

Viele Grüße
Gerhard

Re: Atlantische Bergschrecke in Ramosch/ Unterengadin

#4
Werter Herr Kersting,
Ihre Mitteilung ermunterte mich zu einem Gang in den Estrich, da das allwissende Internet mich nicht mit pdf's bedienen wollte. Sehr gewinnbringend ist auch "Saltatoria der Süd- und Südostabdachung der Alpen zwischen Provence im W, dem pannonischen Raum im NE und Istrien im SE" Revue suisse Zool Tome 94 Fasc 2 p 257-356, die sehr wahrscheindlich zu finden ist
Antaxius_GR.pdf
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mit freundlichen Grüssen
bruno keist